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Bitcoin: Ein Zahlungsmittel auf dem Steuerprüfstand

Bundesregierung äußert sich zur steuerlichen Qualifikation von Kryptowährungen

Der Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung lässt erkennen, dass Kryptowährungen wie Bitcoins zu den Forschungsschwerpunkten der Zukunft gehören sollen und es sich für einen angemessenen Rechtsrahmen auf europäischer Ebene einzusetzen gilt. Mit dem aktuellen Schreiben vom 27.02.2018 macht die Finanzverwaltung einen ersten Schritt und äußert sich hinsichtlich der (umsatz-)steuerlichen Behandlung.

Virtuelle Währungen sind ...

Bitcoins sollen als alternative, virtuelle Währung ein sicheres und anonymes Zahlungssystem realisieren, werden jedoch wegen der rapiden Kursschwankungen vor allem als Spekulationsobjekt wahrgenommen.

Der Erwerb der Kryptowährung Bitcoin erfolgt entweder durch Bereitstellung von Rechnerleistung zur Validierung von Transaktionen – dem sog. „Mining“ – oder häufiger im Tausch gegen Hingabe von konventioneller Währung.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat Bitcoins zuletzt als Finanzinstrumente in der Variante einer Rechnungseinheit eingestuft, vergleichbar mit Devisen. Und was sagt die Finanzverwaltung?

… umsatzsteuerlich ein Zahlungsmittel …

Hinsichtlich der umsatzsteuerlichen Einordnung wird auf die Entscheidung „Hedqvist“ des Europäischen Gerichtshofs vom 22.10.2015 verwiesen. Danach soll es sich beim Umtausch von konventioneller Währung in virtuelle und umgekehrt um eine Dienstleistung gegen Entgelt handeln, die allerdings steuerbefreit ist. Ein Novum – beschränkt sich doch die Steuerbefreiung im deutschen Umsatzsteuerrecht nach dem Gesetzeswortlaut ausschließlich auf gesetzlich geregelte Zahlungsmittel. Das BMF stellt mit seinem Schreiben vom 27.02.2018 jedoch klar, dass die Befreiung auch für den Umtausch von Bitcoins anwendbar sein soll. Die Verwendung der Bitcoins als Zahlungsmittel wird vom BMF – systematisch nicht konsequent – sogar als nicht steuerbar angesehen.

Im Unterschied hierzu sind im Bereich des Mining noch viele Fragen offen. Die Europäische Kommission hat zwar bereits Erörterungen im Mehrwersteuerausschuss angestoßen, die aber noch andauern.

Indes hat sich die Finanzverwaltung mit ihrem Schreiben schon einmal festgelegt. Die Entlohnung der Miner in Form neuer Bitcoins ist nicht als Entgelt für erbrachte Leistungen anzusehen. Aufgrund des anonymen Systems fehle es bereits an einem identifizierbaren Bitcoingeber. Demzufolge löst das Mining zunächst einmal keine umsatzsteuerbaren Leistungen aus.

... und ertragsteuerlich ebenso

Ertragsteuerlich sind gleich mehrere Lösungen denkbar, wobei konsequent die Qualifikation des Bitcoins als Fremdwährung umgesetzt wird (so auch Finanzbehörde Hamburg, Erlass vom 11.12.2017).

Bitcoins im Privatvermögen:

Handelt es sich beim Mining von Bitcoins um eine gelegentliche Tätigkeit, können Einkünfte aus sonstigen Leistungen vorliegen. Da diese erst ab einer Höhe von 256 € im Kalenderjahr steuerpflichtig sind, wird wegen der anfallenden Werbungskosten (Hardware, Energie) im Regelfall nichts passieren.

Der Tausch von Bitcoins in eine andere (Krypto-)Währung oder die Nutzung als Zahlungsmittel innerhalb eines Jahres nach der Anschaffung führt zu einem steuerpflichtigen Spekulationsgeschäft. Dies gilt allerdings nicht, sofern die jeweiligen Bitcoins im Wege des Minings erworben wurden, da es insoweit an einem steuerlichen Anschaffungsvorgang fehlt.

Wird nicht der komplette Bitcoinbestand aufgewandt, gelten nach der sog. FiFo-Methode die zuerst erworbenen Bitcoins im Zweifelsfall als zuerst verwendet.

Relevant: Der Verlustfall

Darüber hinaus macht der jüngste Preisverfall des Bitcoins erneut die Besonderheiten des Ertragsteuerrechts deutlich. So können Verluste aus Spekulationsgeschäften nicht mit positiven Einkünften einer anderen Einkunftsart verrechnet werden.

Bitcoins im Gewerbebetrieb:

Werden Bitcoins hingegen im Rahmen einer gewerblichen Tätigkeit angeschafft oder hergestellt, sind Gewinne aus der Veräußerung oder dem Tausch der Währung stets als steuerpflichtige Einkünfte zu erfassen. Die Kosten für das Mining sind als Betriebsausgaben abzugsfähig.

Fazit

Während der Schöpfer des virtuellen Bitcoins bis heute unbekannt ist, bringen die aktuellen Veröffentlichungen der Finanzverwaltung zumindest steuerlich Licht ins Dunkel. Hiernach sind die steuerlichen Folgen sehr real: Im Verkaufsfall können erhebliche einkommensteuerliche Belastungen drohen, im Verlustfall hingegen wird der Anleger häufig keine Verrechnungsmöglichkeit mit anderen Einkünften haben.

Ihr Ansprechpartner

Christoph Baier

E-Mail: Christoph.Baier@falk-co.de

Tel: +49 6221 399 0


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