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Betriebliche Gesundheitsförderung – wird auch die Staatskasse gesünder?

Ein neues BFH-Urteil zu einer sog. „Sensibilisierungswoche“ zeigt, wie sensibel das Thema auch im Hinblick auf die (lohn-)steuerlichen Folgen für den Arbeitgeber ist

Arbeitgeber-Angebote zur Gesundheitsförderung sind im Trend: Die hohen Anforderungen des Arbeitslebens an Mitarbeiter sowie der Fachkräftemangel sorgen dafür, dass Arbeitgeber ihrer Belegschaft vermehrt Leistungen zur Förderung der Gesundheit anbieten. Das Thema ruft aber auch die Finanzverwaltung auf den Plan – bei den Angeboten könnte es sich ja im Einzelfall um steuerpflichtigen Arbeitslohn handeln – und wird mittlerweile regelmäßig in Lohnsteuerprüfungen aufgegriffen. 

Allgemeine gesundheitspräventive Leistungen

Allgemeine Angebote des Arbeitgebers für die Gesundheitsvorsorge der Mitarbeiter führen grundsätzlich zu Arbeitslohn. Bestimmte Gesundheitsfördermaßnahmen sind allerdings im Wert bis zu 500 EUR pro Kalenderjahr und pro Mitarbeiter steuerfrei (die relevante Norm findet sich in § 3 Nr. 34 EStG). Voraussetzung ist, dass die Maßnahmen bestimmten im Sozialrecht formulierten Anforderungen (wie beispielsweise die zu erreichenden Gesundheitsziele – u. a. Tabakkonsum reduzieren) und vom GKV-Spitzenverband festgelegten Kriterien genügen. Ab 2019 wird zusätzlich eine Zertifizierung gefordert, die Kursanbieter von den Krankenkassen erhalten können. Außerdem verlangt das Gesetz, dass die Maßnahmen zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn gewährt werden. 

Informationen zu zertifizierten Kursen bieten die Krankenkassen oder der GKV-Spitzenverband, beispielsweise gehören Kurse zur Stressbewältigung dazu. Empfehlenswert ist die Kontaktaufnahme mit der Krankenkasse, bei welcher ein Teil der Mitarbeiter versichert ist. Gegebenenfalls kann eine Maßnahme auch von der Krankenkasse bezuschusst werden. 

Berufsspezifische Maßnahmen

Steuersystematisch vorgelagert ist die Frage, ob die gesundheitsfördernden Angebote überhaupt zu Arbeitslohn führen. Dies ist zu verneinen, wenn die Maßnahmen im überwiegend eigenbetrieblichen Interesse des Arbeitgebers durchgeführt werden. Voraussetzung ist, dass die Maßnahmen der Vermeidung berufsspezifischer Erkrankungen dienen. Grundsätzlich sind die Umstände jeder Maßnahme einzeln zu prüfen. 


Ein Nachweis des Arbeitgeberinteresses ist möglich, indem die Notwendigkeit der Maßnahmen zur Verhinderung krankheitsbedingter Arbeitsausfälle durch eine Auskunft des medizinischen Dienstes einer Krankenkasse/Berufsgenossenschaft oder durch ein Sachverständigengutachten bestätigt wird. Sofern ein entsprechendes Gutachten vorlag, wurde in der Vergangenheit das eigenbetriebliche Interesse des Arbeitgebers in den folgenden Fällen anerkannt: 

  • Massagen für Mitarbeiter an Bildschirm-Arbeitsplätzen 
  • Teilnahme an einem Rückentrainingsprogramm für Mitarbeiter an Bildschirm-Arbeitsplätzen 
  • Therapietraining für die Wirbelsäule nach dem sogenannten FPZ-Konzept 

Der aktuelle BFH-Fall

In einem aktuellen Urteil vom 21.11.2018 – [AZ VI R 10/17] musste der BFH über einen Fall entscheiden, in dem der klagende Arbeitgeber seinen Mitarbeitern auf freiwilliger Basis eine sog. „Sensibilisierungswoche“ angeboten hatte. Die im Rahmen des einwöchigen Programms angebotenen Vorträge und Kurse hatten allerdings nicht den Zweck, berufsspezifische Krankheiten zu vermeiden, sondern dienten der allgemeinen Gesundheitsvorsorge nach den im Sozialrecht definierten Vorgaben. Der BFH verneinte dementsprechend ein eigenbetriebliches Interesse des Arbeitgebers mit der Folge, dass für die teilnehmenden Mitarbeiter im Wert des Programms Arbeitslohn angenommen wurde. Gemildert wurde die Steuerbelastung dadurch, dass die eingangs erwähnte Steuerbefreiung anwendbar war, so dass je Mitarbeiter ein Teilbetrag von 500 EUR steuerfrei blieb. Der übersteigende Betrag musste jeweils vom Arbeitgeber nachversteuert werden. 

Praxishinweis

Die Kostenübernahme von Mitgliedsbeiträgen für Sportvereine oder Fitnessstudios fällt nicht unter die erwähnte Steuerbefreiungsvorschrift des § 3 Nr. 34 EStG, da die dort enthaltenen Vorgaben insoweit nicht erfüllt sind. Allerdings besteht ggf. die Alternative, die sog. 44-Euro Sachbezugsfreigrenze zu nutzen. Leistungen des Arbeitgebers für ausdrücklich vereinbarte Sachbezüge, wie beispielsweise für den übernommenen Mitgliedsbeitrag, bleiben monatlich bis zu einer Höhe von 44 Euro steuerfrei. Zu beachten ist allerdings, dass für die Berechnung der 44-Euro Grenze alle Sachbezüge des Arbeitnehmers während eines Monats zusammenzurechnen sind.

Ihr Ansprechpartner

Sarah Noosten

Assistentin der Steuerberatung

E-Mail: sarah.noosten@falk-co.de

Tel: +49 6221 399 0


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