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„Patchwork-Familie“, heute alltäglich, außer beim Erbrecht – darum gilt es aufzupassen!

Meine Kinder-Deine Kinder-Unsere Kinder – wer bekommt was?

Rund 10 % aller Familien in Deutschland mit steigender Tendenz haben einen Patchwork-Charakter, d. h. immer mehr Partnerschaften bestehen, in denen ein oder auch mehrere Kinder aus früheren Beziehungen miteingebracht werden. Häufig kommen dann auch noch gemeinsame Kinder hinzu. Nur schade, dass das Erbrecht immer noch ausschließlich das klassische Familienbild im Blick hat. 

Diskrepanz zwischen gelebter/gefühlter und rechtlicher Familie

Um das Ganze zu verdeutlichen, gehen wir von der Familie Müller aus, in der die Mutter das Kind Marion und der Vater das Kind Max in die Ehe miteinbringt. Was würde passieren, wenn nun der Vater überraschend versterben würde? 

Gesetzliche Erbfolge

Wenn die Ehepartner keine anderweitigen Verfügungen getroffen haben, bekommt seine Frau die Hälfte des Erbes und sein Sohn Max die andere Hälfte. Stirbt anschließend die Frau, erbt deren Tochter den Rest des Nachlasses. Der Sohn des Mannes geht an dieser Stelle leer aus, d. h. vom ursprünglichen Vermögen des Vaters bekommt er nichts mehr, dafür erbt dies seine Stiefschwester. 

Diese Situation birgt ein großes Konfliktpotenzial, zumal wenn noch die Familienimmobilie betroffen ist. In unserem Beispiel würden die Stiefmutter und der Sohn hinsichtlich der Familienimmobilie eine Erbengemeinschaft bilden. Der Stiefsohn drängt vielleicht auf Mietzahlungen oder im schlimmsten Fall sogar auf Verkauf; der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt, was immer wieder von der Realität bestätigt wird.

Praxishinweis

Das Berliner Testament ist bei Patchwork-Familien vollkommen ungeeignet. Die eigenen Kinder des Erstversterbenden sind gezwungen, ihren Pflichtteil geltend zu machen, denn nach dem Versterben des Längerlebenden haben sie ohne ergänzende Regelungen keinen Anspruch auf einen Teil des Erbes.

Testamentarische Regelungen als Lösungsansätze

Zur langfristigen Sicherung des Familienfriedens und zur Vermeidung ungewollter Konsequenzen aufgrund der starren gesetzlichen Erbregelungen gilt bei allen Patchwork-Familien, ein gut durchdachtes Testament ist eine Pflicht! Doch wie geht man da am besten vor?

Was möchten denn die Partner?

Ausgangspunkt ist immer, dass die Partner sich bewusst machen, was jeder für sich und im besten Fall was sie auch gemeinsam möchten. Also sollten die Partner sich die Zeit nehmen, jeder für sich seine Wünsche mal zu Papier bringen und dann gemeinsam besprechen. Miteinander sprechen, Wünsche kommunizieren und gegebenenfalls auch für den Partner schwierige Wünsche hinsichtlich der Erbfolge klar zu benennen, ist sicherlich nicht immer einfach, aber absolut notwendig. Lieber setzen sich die Partner frühzeitig auseinander, als dass später die „eigenen“ und „fremden“ Kinder sich streiten. Miteinander sprechen verhindert Konflikte und sichert den Zusammenhalt in der nächsten Generation.

Was sind die zentralen Fragen, über die man sich Klarheit verschaffen sollte?

  • Sollen letztendlich die eigenen Kinder das Vermögen in letzter Konsequenz erben?
  • Sollen die „fremden“ Kinder auch am Erbe beteiligt werden?
  • Wie soll der Partner abgesichert werden, soll er erben oder soll er nur über die Erträge oder Wohnrechte abgesichert werden?

Wenn man in diesen Punkten einen Konsens erzielt hat, gilt es dann, diese Wünsche erbrechtlich in einer letztwilligen Verfügung abzubilden. Dies ist eine Aufgabe, bei der man sich unbedingt professionelle Unterstützung holen sollte. Gerne stehen auch wir Ihnen als Sparringspartner neben einem Notar oder Rechtsanwalt hierbei zur Seite. 

Welche Konstruktionen sind hier vorstellbar?

Um hier die optimale Abbildung des individuellen Wunschszenarios zu erzielen, ist im Testament ein Mix aus Vermächtnissen, Vor- und Nacherbschaft, gegenseitiger Erbeinsetzung durch die Ehegatten, Erb-vertrag und Pflichtteilsregelungen, aber auch der Pflichtteilsverzicht oder Pflichtteilsstrafklauseln vorstellbar.

So unterschiedlich wie Familien sind, sind auch ihre Wünsche hinsichtlich der Erbausgestaltung, folglich gibt es hier auch keine Standardlösung für ein Testament, die dem gerecht wird. Vielmehr gilt es, ganz individuell das „passende“ Testament zu erarbeiten. 

Fazit

Partner in einer Patchwork-Familie sollten unbedingt die Zeit investieren und sich ein individuelles Testament erarbeiten. Denn die gesetzliche Erbfolge birgt ein sehr hohes Ungerechtigkeitspotenzial in sich, das den Familienzusammenhalt in der nächsten Generation ernsthaft gefährden kann. Wer von den Kindern was bekommt, hängt nämlich – wenn nichts geregelt wurde – davon ab, welcher Partner zuerst stirbt, und das ist in den allermeisten Fällen so nicht gewollt. Also, unser Appell an alle Patchwork-Familien: Nehmen Sie sich mal einen Abend Zeit, gehen Sie das Thema an. Den Anfang zu machen ist nach unserer Erfahrung das Schwierigste, ist dieser geschafft, dann kommt man auch zum Ziel. Die Familie dankt es!

Ihr Ansprechpartner

Michael Brenner

Steuerberater

E-Mail: michael.brenner@falk-co.de

Tel: +49 6221 399 0


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