Themen Wirtschaftsprüfung

Wir werden immer älter: HEUBECK-RICHTTAFELN 2018 G

Am 20.07.2018 hat Heubeck neue Sterbetafeln veröffentlicht und überraschend am 25.9.2018 in einer Pressemitteilung bekanntgegeben, dass diese aufgrund von „Inkonsistenzen in Bezug auf die verwendeten Datengrundlagen“ noch einer Anpassung bedürfen. Die Veröffentlichung der angepassten Tafeln wird in den nächsten zwei Wochen erwartet

Die neuen HEUBECK-RICHT-TAFELN berücksichtigen die jüngsten Statistiken der gesetzlichen Rentenversicherung und des Statistischen Bundesamtes. 

Wie lange werden Sie noch leben?

So skurril diese Frage auch klingt, sie lässt sich mit den sog. Sterbetafeln beantworten. Die Sterbetafeln verzeichnen, in welchem Alter Frauen und Männer sterben, und folglich wie lange sie im Durchschnitt leben. Diese Werte bestimmen u. a. die Berechnung der Prämien von Lebensversicherungen sowie die Rückstellungen für Pensionsverpflichtungen bei bilanzierenden Unternehmen.

Was sind die wesentlichen Neuerungen?

Die neuen HEUBECK-RICHT-TAFELN 2018 G berücksichtigen die anhaltende beobachtete Verlängerung der Lebenserwartung sowie die Angleichung der Lebenserwartung in Ost- und Westdeutschland. Allerding wurde in den im Juli veröffentlichen Tafeln („Juli-Tafeln“) der Trend zur Erhöhung der Lebenserwartung wohl überschätzt.


Statistiken der gesetzlichen Rentenversicherung belegen, dass höhere Renten im Durchschnitt länger bezahlt werden als niedrige. Kurz gesagt: Menschen mit höherer Rente leben länger als Menschen mit niedriger Rente. Diese Erkenntnis wurde nun in einem pauschalen Abschlag auf die Sterbewahrscheinlichkeit berücksichtigt.


Weitere Änderungen betreffen die Berücksichtigung neuster Invalidisierungswahrscheinlichkeiten. Zudem sind nun erstmalig neben den versicherungsmathematischen Grundwerten für Männer und Frauen auch solche für „Unisex“ enthalten.

Für wen ist das Thema relevant?

Das Thema betrifft alle Unternehmen, die in ihrem Jahresabschluss Pensionsrückstellungen bilanzieren.


Für Pensionsverpflichtungen sind in Deutschland bisher die Richttafeln 2005 G von Klaus Heubeck allgemein anerkannt und finden in den meisten Fällen Anwendung. Es handelt sich hierbei um eine sog. Generationentafel (daraus leitet sich das G ab), deren Wahrscheinlichkeiten sich neben Alter und Geschlecht auch nach dem Geburtsjahr unterscheiden.


Bei tendenziell steigender Lebenserwartung ist lediglich ein moderater Anstieg der Pensionsrückstellungen zu erwarten.

Welche bilanziellen Auswirkungen sind zu erwarten?

Die bilanziellen Auswirkungen werden wohl geringer ausfallen als bei Einführung der letzten HEUBECK-RICHTTAFELN in 2005.


Die Prognose in der Steuerbilanz auf Basis der „Juli-Tafeln“ gingje nach Zusammensetzung des Bestandes voneinem Anstieg der steuerlichen Pensionsrückstellungen zwischen 0,8% und 1,5% aus.


In der Handelsbilanz wäre der zu erwartende Einmaleffekt mit 1,5% bis 2,5% deutlich höher, wobei er maßgeblich von Rechnungszins, Gehaltsdynamik und Fluktuation abhängt.

In 2005 war der Anpassungsaufwand aus der Sterbetafel-Umstellung in der Steuerbilanz über 3 Jahre zu verteilen und in der Handelsbilanz sofort zu erfassen.

Ab wann sind die neuen Richttafeln anzuwenden?

Die neuen HEUBECK-RICHT-TAFELN bedürfen für ertragssteuerliche Zwecke der Anerkennung durch das Bundesfinanzministerium. Das BMF-Schreiben wird die zeitliche Erstanwendung in der Steuerbilanz regeln. Aufgrund der angekündigten Anpassungen bleibt es abzuwarten, ob in der Steuerbilanz zum Bilanzstichtag 31.12.2018 bereits eine verpflichtende Anwendung der neuen Richttafeln vorgesehen wird.


Nach Auffassung des Hauptfachausschusses (HFA) des IDW ist die handelsrechlicht Erstanwendung ausdrücklich nicht an das BFM-Schreiben geknüft. Die neuen HEUBECK-RICHTTAFELN sind für Jahres- und Konzernabschlüsse nach HGB und IFRS anzuwenden, sobald diese allgemein anerkannt sind. Dabei stellt die Anerkennung durch das BMF – neben der Validierung und Implementierung durch die Rechnungslegungspraxis, insb. die Aktuare – einen Indikator für die allgemeine Anerkennung dar. Hiervon ist jedoch ausnahmsweise dann nicht auszugehen, wenn - z.B. aufgrund der sehr späten Veröffentlichung des BMF-Schreibens - die Validierung und Implementierung durch die Aktuare noch nicht hinreichend fortgeschritten ist.


Durch das nun bekannt gewordene Erfordernis einer Anpassung der „Juli-Tafeln“ wird sich der Prozess der Anerkennung der geänderten Sterbetafeln durch das BMF und die Aktuare verzögern. Es bleibt abzuwarten, ob die neuen, angepassten Richttafeln den Status der „allgemeinen Anerkennung“ bis zum Stichtag 31.12.2018 erlangen.

Ihr Ansprechpartner

Marcus Dietz

E-Mail: Marcus.Dietz@falk-co.de

Tel: +49 6232 6050 0


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