Themen Steuerberatung

Mit dem Rad, Kamerad!

Steuerliche Behandlung von privat genutzten Betriebs-Fahrrädern

Seit dem 01.01.2019 kann ein Arbeitgeber seinen Mitarbeitern – unter gewissen Voraussetzungen – betriebliche Fahrräder zur privaten Nutzung steuerfrei überlassen. Liegen die Voraussetzungen allerdings nicht vor, hat der Arbeitnehmer den privaten Nutzungsvorteil aus der Fahrradüberlassung zu versteuern. 

Fahrrad als steuerfreier Arbeitslohn (§ 3 Nr. 37 EStG)

Eine steuerfreie Überlassung des betrieblichen Fahrrads zur privaten Nutzung ist dann möglich, wenn das Fahrrad zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn zur privaten Nutzung überlassen wird. Die unentgeltliche Fahrradnutzung stellt dann einen steuerfreien Gehaltsbestandteil beim Arbeitnehmer dar. Insofern stellt sich die Frage, welche Anforderungen an das „Zusätzlichkeits“-Kriterium geknüpft sind. Steuersystematisch lässt sich hierüber zwar trefflich streiten – schädlich sind aber in jedem Fall Gehaltsumwandlungen, d. h. Reduzierung des vertraglich geschuldeten Barlohns bei gleichzeitiger Einräumung von wertgleichem Sachlohn, also hier in Form der Fahrradnutzung für private Zwecke. 

Fahrrad als steuerpflichtiger Arbeitslohn

Sofern die Voraussetzungen der Befreiungsnorm nicht erfüllt sind, stellt der Nutzungsvorteil aus der Überlassung des Fahrrads beim Arbeitnehmer einen (lohn-)steuerpflichtigen geldwerten Vorteil dar. Dies ist insbesondere der Fall, wenn


  • das Fahrrad im Rahmen einer Gehaltsumwandlung zur Nutzung überlassen wird. Hierbei fehlt es an der Voraussetzung, dass das Fahrrad „zusätzlich zum ohnehin geschuldeten“ Arbeitslohn überlassen wird. 
  • das Fahrrad sich als „Fahrzeug“ im verkehrsrechtlichen Sinne qualifiziert. Dies ist z. B. der Fall, wenn bei einem E-Bike der Motor auch Geschwindigkeiten über 25 km/h unterstützt.

Ermittlung des (Geld-)Werts der unentgeltlichen Fahrradüberlassung

Sofern die Nutzungsüberlassung des Fahrrads als steuerpflichtiger geldwerter Vorteil zu beurteilen ist, stellt sich die Frage nach der Höhe dieses Nutzungsvorteils aus Sicht des Mitarbeiters. Die Berechnung des Geldwerts der Überlassung eines Fahrrads ist in einem aktuellen Ländererlass vom 13.03.2019 geregelt. 

  • Grundsatz: Als geldwerter Vorteil der Nutzungsüberlassung ist vom Arbeitnehmer – ähnlich wie beim privat genutzten Firmenfahrzeug – monatlich 1 % der unverbindlichen (abgerundeten) Preisempfehlung des Herstellers, Importeurs bzw. Großhändlers im Zeitpunkt der Inbetriebnahme des Fahrrads (inkl. Umsatzsteuer) zu versteuern. Die Regelung ist jedoch insofern vorteilhafter als bei der Fahrzeugüberlassung, als durch den pauschalen 1 %-Wert neben den Privatfahrten insbesondere auch die Fahrten Wohnung/Arbeitsstätte abgegolten sind. 
  • Erstmalige Überlassung im Zeitraum 2019 bis 2021: Wenn die erstmalige Überlassung des Fahrrads – wobei mit Überlassung nicht die Anschaffung, Herstellung oder der Leasingbeginn gemeint ist – im Zeitraum 01.01.2019 bis 31.12.2021 liegt, reduziert sich der steuerpflichtige geldwerte Vorteil auf 0,5 % der unverbindlichen (abgerundeten) Preisempfehlung. 

Die für Sachbezüge generell geltende Freigrenze von 44 EUR pro Monat ist für die Überlassung von Fahrrädern nicht anzuwenden. 

Besonderheit bei Fahrrädern, die als (Kraft-)Fahrzeuge gelten

Sofern sich das Fahrrad als Fahrzeug im verkehrsrechtlichen Sinne qualifiziert, ist für die Berechnung des steuerpflichtigen geldwerten Vorteils die generell für Elektro- bzw. Kraftfahrzeuge geltende Regelung heranzuziehen, d. h. bei Nutzung des Fahrrads auch für Fahrten Wohnung/Arbeitsstätte ist hierfür zusätzlich ein Wert zu ermitteln. Demnach beträgt der monatliche Geldwert für die Privatnutzung 1 % (bzw. 0,5 %) des Brutto-Listenpreises zuzüglich 0,03 % je Entfernungskilometer für die Fahrten zwischen erster Tätigkeitsstätte und Wohnung des Arbeitnehmers. 

Besonderheit für Arbeitgeber, die Fahrräder auch an dritte Personen überlassen

Unter anderem Fahrradverleihfirmen können wahlweise von einer Sonderregelung Gebrauch machen. Hiernach kann von dem ermittelten geldwerten Vorteil für die Nutzungsüberlassung der Fahrräder an die Mitarbeiter jährlich ein Betrag von 1.080 Euro als Sockelbetrag steuerfrei belassen werden. 

Ihr Ansprechpartner

Robert Wiemeyer

Assistent der Steuerberatung

E-Mail: robert.wiemeyer@falk-co.de


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