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A1-Bescheinigung: Jetzt handeln, bevor es an der Grenze teuer wird!

Auch der kurzeitige Arbeitseinsatz im Ausland will wohl vorbereitet sein. Und es wird Sie überraschen, was als kurzzeitiger Arbeitseinsatz im Ausland definiert wird.

Es gibt ja immer wieder neue Regelungen, über die man als Unternehmer liest, aber die Relevanz für das eigene Unternehmen so nicht sieht. Bis der Ernstfall eintritt und es dann ggf. teuer wird. Hierzu gehört auch das elektronische Antrags- und Bescheinigungsverfahren A1, welches in Deutschland seit dem 01.01.2019 verpflichtend ist. 

Ausgangspunkt ist die Verhinderung von grenzüberschreitendem Sozialversicherungsbetrug

Wie häufig, wenn ein Bürokratiemonster geboren wird, ist die Absicht eigentlich eine gute. Denn bei einer Tätigkeit im EU-Ausland müsste in das dortige Sozialversicherungssystem einbezahlt werden. Um jedoch Doppelzahlungen im In- und Ausland zu vermeiden, wurde die A1-Bescheinigung erdacht. Der zuständige Sozialversicherungsträger bestätigt, dass ein Arbeitnehmer für die Zeit seiner Beschäftigung im Ausland der Sozialversicherung seines Heimatstaates angehört. 

Doch wo sind denn nun die Tücken?

Unter Tätigkeit im Ausland verstehen die meisten Unternehmer sicherlich etwas anderes als die Sozialversicherungsträger in den einzelnen EU-Staaten. Denn das Sozialversicherungsrecht unterscheidet nicht zwischen Dienstreise und Entsendung. Während also für einen längeren Montageeinsatz einem die Notwendigkeit einer A1-Bescheinigung einleuchtet, wird zunehmend auch bei anderen beruflichen Auslandsaufenthalten eine solche A1-Bescheinigung verlangt. 

Ein Messebesuch im Ausland, eine Teilnahme an einem Symposium oder ein kurzer Abstecher des Vertriebsleiters bei einem Kunden kurz hinter der Grenze, all das sind auch Anlasse, bei denen eine A1-Bescheinigung mitzuführen ist. 

Gibt es wirklich Kontrollen?

Leider ja, denn bei Nichtvorlage der A1-Bescheinigung werden z. T. strenge Bußgelder verhängt. In Frankreich beträgt die Strafe über 2.000 EUR, in Österreich können bis zu 10.000 EUR anfallen. Bei solch hohen Strafen gibt es natürlich das berechtigte Interesse an Kontrollen der Staaten, sei es nun direkt an der Grenze, aber auch im Landesinneren ist man nicht davor gefeit. 

Wo beantrage ich die A1-Bescheinigung?

Hier gilt festzuhalten, dass für jede einzelne Tätigkeit im Ausland eine gesonderte A1-Bescheinigung zu beantragen ist; die naheliegende Lösung einer „Dauer-Bescheinigung“ ist mit Ausnahme der Multi-State-Worker leider nicht vorgesehen. Bei gesetzlich versicherten Mitarbeitern ist die Bescheinigung bei der Krankenkasse des Mitarbeiters zu beantragen und bei privat versicherten Mitarbeitern ist die Deutsche Rentenversicherung der richtige Ansprechpartner, in Ausnahmefällen sind auch die berufsständischen Versorgungswerke zuständig. Die Beantragung hat elektronisch zu erfolgen. 

Praxishinweis

Aufgrund der Vielzahl von häufig kurzfristig zu erwartenden Antragsstellungen ist zu überlegen, die Beantragung der A1-Bescheinigung nicht innerhalb der Personalabteilungen vorzunehmen, insbesondere dann, wenn die Gehaltsabrechnungen ausgegliedert wurden. Vielmehr empfiehlt es sich, das Ganze auf die Stelle im Unternehmen zu übertragen, welche auch mit der Buchung bzw. Koordination von Reisen befasst ist. Andernfalls ist zu befürchten, dass die notwendigen Informationen nicht frühzeitig und damit fristgerecht zur Beantragung vorliegen. Auch ist zu empfehlen, die Reisenden selbst zu sensibilisieren, damit diese frühzeitig ihre Reiseplanungen mitteilen. Zur Beantragung empfiehlt sich der Einsatz von „sv-net “.

Ist eine Entspannung in Sicht?

Die Europäische Kommission hatte am 19. März 2019 verkündet, dass sich die EU-Rechtsetzungsorgane auf eine Überarbeitung insbesondere hinsichtlich der Dienstreisen-Definition verständigt haben. Angedacht war, dass Dienstreisen bis zu einer Woche nicht A1-bescheinigungspflichtig sein sollten. Doch diese Verständigung wurde durch eine Sperrminorität von Mitgliedstaaten, darunter Deutschland, abgelehnt. Somit gelten weiterhin die strengen Regelungen bis eventuell in der neuen Legislaturperiode ein neuer Anlauf getätigt wird. 

Fazit

Wenn Sie eine Messe im Ausland besuchen oder auch nur kurz bei einem Geschäftspartner vorbeischauen, denken Sie daran, vorher eine A1-Bescheinigung zu beantragen und mitzuführen. Auch der nur stundenweise berufliche Einsatz im Ausland kann ansonsten sehr teuer werden.

Ihr Ansprechpartner

Michael Brenner

Steuerberater

E-Mail: michael.brenner@falk-co.de

Tel: +49 6221 399 0


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