Themen Steuerberatung

TV-Show: Zuhause im Glück – Kandidat im (finanziellen) Unglück

Die Teilnahme an der Doku-Soap „Zuhause im Glück“ kann zum teuren Vergnügen werden

Die Produktion von „Zuhause im Glück“ wurde 2019 eingestellt: Ob dies neben den sinkenden Einschaltquoten auch an der drohenden Besteuerung der Kandidaten liegt?

Lotteriegewinne sind steuerfrei – aber TV-Show-Honorare?

Gewinne aus der Teilnahme an Lotterien oder Gewinnspielen sind grundsätzlich nicht steuerpflichtig, außer es gibt dabei ein Verhältnis von Leistung und Gegenleistung. Bei der Teilnahme an TV-Shows liegt der Fall anders. Teilnehmer von Fernsehshows schließen einen Vertrag mit der Produktionsfirma und haben fest definierte Verpflichtungen zu erfüllen. Als Gegenleistung erhalten die Teilnehmer ein Honorar. Das Finanzgericht Köln musste nun prüfen, was als eine Gegenleistung zu werten ist.

Renovierungsleistungen sind Sach-Gagen

Bei der TV-Show „Zuhause im Glück“ werden Häuser von Familien in Not umgebaut und renoviert. Das Finanzgericht Köln hat mit Urteil vom 28.02.2019 entschieden, dass die Renovierungsleistungen beim Teilnehmer als Einkünfte aus sonstigen Leistungen zu versteuern sind. 


Im entschiedenen Fall schloss der Teilnehmer mit der Produktionsgesellschaft einen Kandidatenvertrag. Er überließ sein Haus dem „Zuhause im Glück“-Team für die Produktion der Sendung . Außerdem verpflichtete er sich, an Interviews teilzunehmen und räumte der Produktionsgesellschaft die Rechte an den Filmaufnahmen ein. Zwar erhielt er keine Geldzahlung, musste dafür aber die Renovierungskosten nicht bezahlen.


Nach einer Betriebsprüfung bei dem TV-Sender schickte der Prüfer eine Kontrollmitteilung an das Finanzamt des Teilnehmers. Dieses sandte dem Teilnehmer einen geänderten Einkommmensteuerbescheid und forderte eine erhebliche Steuernachzahlung. 


Das Finanzgericht bestätigte nun die Auffassung des Finanzamts mit seinem aktuellen Urteil. Ein Teilnehmer erbringe verschiedene Leistungen gegenüber der Produktionsgesellschaft, nämlich aus der Überlassung des Hauses, aus der Produktionsmitwirkung und aus der Rechteüberlassung. Gegenleistungen, die das Ergebnis einer Erwerbstätigkeit oder Vermögensnutzung – wie hier die Hausüberlassung – sind, müssen als sonstige Einkünfte versteuert werden. Im zu beurteilenden Fall liege die Gegenleistung in den ersparten Renovierungskosten in Form von Materialkosten und Arbeitslohn. Die Produktionskosten der Sendung seien durch den Teilnehmer hingegen nicht zu versteuern.

Fun Fact: BFH-Urteil zu „Big Brother“

Bereits 2012 hatte der BFH entschieden, dass ein Gewinner der Fernsehshow „Big Brother“ nicht nur die erhaltenen Aufwandspauschalen, sondern auch sein Preisgeld als sonstige Einkünfte versteuern muss (BFH-Urteil vom 24.04.2012). Für die Fernsehshow zogen Kandidaten in ein Haus ein und ließen sich ununterbrochen filmen. Die Verwertungsrechte wurden an den Produzenten abgetreten. 


Laut Entscheidung der BFH-Richter wurde das Preisgeld als Gegenleistung für das Verhalten des Teilnehmers während seines Aufenthaltes im „Big-Brother“-Haus gezahlt. Dass der Gewinner das Preisgeld nur durch eine Zufallskomponente erhielt – durch die Publikumswahlen –, hatte für einen Vergleich mit Glücksspielen und somit für Steuerfreiheit nicht ausgereicht.


Praxishinweis

Nichts ist umsonst: Der Fall des Doku-Soap-Teilnehmers zeigt beispielhaft, dass Einnahmen und Vermögensmehrungen aufgrund außergewöhnlicher Ereignisse – sei es in Form von Geld- oder Sachleistungen – immer auf eine mögliche Steuerpflicht überprüft werden sollten. Wobei Steuerpflicht nicht nur Besteuerung mit Einkommensteuer meint; denn auch eine Belastung des Sachhonorars mit Umsatzsteuer kann drohen. Je nachdem, welche Regelungen die Vereinbarung mit der Produktionsfirma zur Umsatzsteuer beinhalten, könnten sich für die Teilnehmer gegebenenfalls noch weitere finanzielle Überraschungen einstellen.

Ihr Ansprechpartner

Sarah Noosten

Assistentin der Steuerberatung

E-Mail: sarah.noosten@falk-co.de

Tel: +49 6221 399 0


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