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Auswirkungen des Ukraine-Krieges auf die Jahresabschlüsse zum 31.12.2021

Der Einmarsch Russlands in die Ukraine am 24.02.2022 hat bereits unmittelbar zu Reaktionen an den Börsen und bei den Rohstoffpreisen geführt. Aus den beschlossenen Sanktionen werden sich zudem auch langfristige Konsequenzen für die Wirtschaft ergeben.

Das IDW hat zu den Auswirkungen des Ukraine-Krieges auf die Rechnungslegung und Prüfung zum 31.12.2021 einen fachlichen Hinweis veröffentlicht. In dem vorliegenden Beitrag werden wir ausschließlich die Auswirkungen auf die handelsrechtlichen Abschlüsse zum Stichtag 31.12.2021 darstellen.

Auswirkungen auf Ansatz und Bewertung

Der Ausbruch des Ukraine-Krieges am 24.02.2022 stellt für die Abschlüsse vor diesem Datum ein wertbegründendes Ereignis dar. Damit ergeben sich aufgrund des Stichtagsprinzips keine Auswirkungen auf Ansatz und Bewertung in den Abschlüssen zum 31.12.2021. Nur in den Fällen, in denen aufgrund des Krieges die Annahme der Fortführung der Unternehmenstätigkeit nicht mehr gegeben ist, ergeben sich bereits Auswirkungen in den Abschlüssen zum 31.12.2021.


Ist die Going-Concern-Prämisse aufgrund des Krieges nicht mehr gegeben, erfolgt bereits zum 31.12.2021 die Bewertung vor dem Hintergrund der Feststellung des vorhandenen Reinvermögens. Für den Bilanzansatz folgt daraus, dass die Bewertung der Vermögensgegenstände unter Veräußerungsgesichtspunkten zu erfolgen hat und auch Verpflichtungen zu passivieren sind, die erst durch die Abkehr von der Going-Concern-Prämisse verursacht wurden.


Auswirkungen auf den Anhang

Im Rahmen der Nachtragsberichterstattung im Anhang ist über „Vorgänge von besonderer Bedeutung“ zu berichten, wobei jeweils Art und finanzielle Auswirkungen anzugeben sind. Die Frage, ob es sich um ein Ereignis von besonderer Bedeutung handelt, ist dabei unternehmensindividuell zu beantworten. Beurteilungsmaßstab ist dabei, ob das Bild, das der Abschluss vermittelt, ohne die Nachtragsberichterstattung anders beurteilt werden würde. Grundsätzlich ist in diesen Fällen ein allgemeiner Hinweis auf den Krieg ausreichend. Es sind keine quantitativen Angaben zu den Auswirkungen auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage notwendig. 

Praxishinweis

Kleine Kapitalgesellschaften müssen keine Nachtragsberichterstattung in den Anhang aufnehmen, Kleinstkapitalgesellschaften dürfen vollständig auf den Anhang verzichten; da diese Gesellschaften auch keinen Lagebericht erstellen müssen, entfällt in diesen Fällen die Berichterstattung. Liegen jedoch bestandsgefährdende Risiken vor, sind diese unter der Bilanz anzugeben.

Auswirkungen auf den Lagebericht

Durch die grundsätzliche Verortung der Nachtragsberichterstattung in den Anhang kann es im Rahmen der Lageberichterstattung zu einer Wiederholung kommen. In diesen Fällen kann im Lagebericht ein eindeutiger Verweis auf die Angaben im Anhang erfolgen.


Weiterhin wird sich der Ukraine-Krieg insbesondere auf die Risikoberichterstattung auswirken. Hier besteht eine Berichtspflicht dann, wenn die möglichen Entwicklungen zu negativen Abweichungen von Prognosen oder Zielen des Unternehmens führen können, es sich dabei um ein wesentliches Einzelrisiko handelt und andernfalls kein zutreffendes Bild von der Risikolage des Unternehmens vermittelt wird. Solche Risiken können sich beispielsweise allgemein aus Branchenentwicklungen oder aus konkreten Sanktionsmaßnahmen ergeben, denen das berichtende Unternehmen unterliegt.


Unternehmen, die wesentlich unmittelbar oder mittelbar von den Auswirkungen des Krieges betroffen sind, können von Erleichterungen hinsichtlich der Prognose Gebrauch machen. Liegen eine außergewöhnlich hohe Unsicherheit hinsichtlich der Zukunftsaussichten aufgrund gesamtwirtschaftlicher Rahmenbedingungen und eine wesentliche Beeinträchtigung der Prognosefähigkeit des Unternehmens vor, reicht ausnahmsweise eine komparative Prognose oder die Darstellung der voraussichtlichen Entwicklung der zur internen Steuerung verwendeten finanziellen und nichtfinanziellen Leistungsindikatoren in verschiedenen Zukunftsszenarien unter Angabe ihrer jeweiligen Annahmen aus. Auch bei von dem Krieg signifikant betroffenen Unternehmen ist der vollständige Verzicht auf eine Prognoseberichterstattung unzulässig.

Praxishinweis

Den vollständigen vom IDW veröffentlichten Hinweis können Sie auf der Homepage des IDW herunterladen: https://www.idw.de/blob/134932/c5aa386c87a03f114a0d040b9fec0ce9/down-ukraine-idw-fachlhinw-rele-pruefung-data.pdf

Cornelia Linde

Wirtschaftsprüferin Steuerberaterin

E-Mail:
cornelia.linde@falk-co.de


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