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Auswirkungen steuerlicher Sonderregelungen auf die Handelsbilanz

Mit der Wiedereinführung der degressiven AfA im Rahmen des Konjunkturpakets und des BMF-Schreibens zur Nutzungsdauer von Computerhardware und Software stellt sich zwangsläufig die Frage, ob die steuerlichen Neuregelungen auch in der Handelsbilanz berücksichtigt werden dürfen. Weiterhin wird kurz auf die Frage eingegangen, ob Überbrückungshilfen im handelsrechtlichen Jahresabschluss zum 31.12.2020 berücksichtigt werden dürfen.

Wiedereinführung der degressiven AfA

Durch das zweite Corona-Steuerhilfegesetz wurde die degressive AfA in Höhe von 25 %, maximal dem 2,5-fachen der linearen Abschreibung, zeitlich befristet wiedereingeführt. Für Wirtschaftsgüter, die 2020 und 2021 angeschafft oder hergestellt werden, besteht das steuerliche Wahlrecht, diese statt linear, d.h. in gleichbleibenden Jahresbeträgen, degressiv mit bis zu 25 % des jeweiligen Restwerts abzuschreiben. Handelsrechtlich sind bewegliche Vermögensgegenstände planmäßig über die Nutzungsdauer abzuschreiben, wobei lineare, degressive oder leistungsabhängige Abschreibungen zulässig sind. Die Wahl der Abschreibungsmethode richtet sich handelsrechtlich nach dem tatsächlichen Wertverzehr; die degressive Abschreibung bildet dabei einen höheren Wertverzehr zu Nutzungsbeginn ab. Dies kann vor dem Hintergrund höherer Instandhaltungsaufwendungen in späteren Jahren wirtschaftlich begründet und sinnvoll sein.


Bei der Wahl der handelsrechtlichen Abschreibungsmethode ist jedoch zu beachten, dass die Methode in sachlicher und zeitlicher Hinsicht stetig anzuwenden ist. Ein Wechsel der Abschreibungsmethode von linear zu degressiv oder umgekehrt kommt grundsätzlich nur in Betracht, wenn dies zur einem besseren Einblick in die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage führt. Wenn dies für die Umstellung auf die degressive Abschreibung zutrifft, dürfte ein späteres Zurück zur linearen Abschreibung (z. B. nach Wegfall der steuerlichen Regelung) wohl kaum zu begründen sein. Ein begründeter Wechsel ist im Anhang anzugeben und zu erläutern. 

Praxishinweis

Bereits im Rahmen des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes 2009 wurde die umgekehrte Maßgeblichkeit, d. h. die Zulässigkeit, steuerliche Wahlrechte auch in der Handelsbilanz zu berücksichtigen, aufgehoben. Eine Einheitsbilanz ist seitdem nur noch möglich, wenn es keine abweichenden verbindlichen Vorschriften in der Handels- und Steuerbilanz gibt.

BMF zur Nutzungsdauer von Computerhardware und Software zur Dateneingabe und -verarbeitung

Durch das am 26.2.2021 veröffentlichte BMF-Schreiben zur Nutzungsdauer von Computerhardware und Software zur Dateneingabe und -verarbeitung kann für die steuerliche Abschreibung eine betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer von einem Jahr zugrunde gelegt werden (siehe auch Artikel „Sofortabschreibung für digitale Wirtschaftsgüter - FALK (falk-co.de)“). Handelsrechtlich sind abnutzbare Vermögensgegenstände, zu denen auch Hard- und Software gehören, über ihre voraussichtliche Nutzungsdauer im jeweiligen Unternehmen abzuschreiben. Die handelsrechtliche Nutzungsdauer von PCs kann aufgrund betriebsindividueller Gegebenheiten – jährlicher Austausch von PCs vs. langfristige Nutzung – sehr unterschiedlich sein. Unabhängig von der steuerlichen Regelung zur Sofortabschreibung kommt handelsrechtlich eine Abschreibung innerhalb eines Jahres in Betracht, wenn der Vermögensgegenstand tatsächlich nur ein Jahr genutzt wird. Werden PCs hingegen standardmäßig 4 Jahre genutzt, hat die handelsrechtliche Abschreibung über 4 Jahre zu erfolgen. Insbesondere bei ERP-Software und vergleichbarer Anwendungssoftware, deren Einführung für die Unternehmen i. d. R. sehr zeit- und kostenintensiv ist, geht mit der Implementierung auch der Wunsch einer längerfristigen Nutzung der Systeme einher. In diesen Fällen ist handelsrechtlich eine Übernahme des steuerlichen Wahlrechts nicht möglich; die Software ist über die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer abzuschreiben.


Berücksichtigung von Überbrückungshilfen im handelsrechtlichen Jahresabschluss zum 31.12.2020

Grundsätzlich handelt es sich bei den Ansprüchen aus den Corona-Hilfspaketen der Bundesregierung um nicht rückzahlbare Zuwendungen der öffentlichen Hand, auf die als sogenannte Billigkeitsleistungen kein Rechtsanspruch besteht. Unabhängig von der damit grds. einhergehenden Unsicherheit hält das Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW) es für sachgerecht, entsprechende Ansprüche bereits als „sonstigen Vermögensgegenstand“ zu aktivieren, wenn die Voraussetzungen für einen Antrag am Bilanzstichtag erfüllt waren und bis zur Beendigung der Aufstellung ein entsprechender Antrag gestellt wurde (oder mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gestellt wird). Für die aktivierten Beträge, die erst nach dem Abschlussstichtag entstehen, ist eine entsprechende Angabe im Anhang zu machen. Zusätzlich sind die Erträge im Anhang aufgrund ihrer i. d. R. außergewöhnlichen Bedeutung anzugeben. 

Fazit

Die steuerlichen Abschreibungsmöglichkeiten dürfen handelsrechtlich nur in Ausnahmefällen genutzt werden. Liegen die handelsrechtlichen Voraussetzungen nicht vor, weichen Handels- und Steuerbilanz zwangsläufig voneinander ab und die – insbesondere von kleinen Unternehmen – gewünschte Einheitsbilanz ist dann nicht möglich. Zusätzlich führt die unterschiedliche Abschreibung in Handels- und Steuerbilanz zu latenten Steuern. Ist der steuerliche Gewinn durch die Sofortabschreibung niedriger, sind passive latente Steuern zu bilden; Ausnahmen hiervon bestehen für kleine Kapitalgesellschaften. Ansprüche auf Überbrückungshilfen, die erst in 2021 gestellt werden, können, sofern die oben genannten Voraussetzungen erfüllt sind, bereits im handelsrechtlichen Jahresabschluss 2020 berücksichtigt werden.

Cornelia Linde

Wirtschaftsprüferin Steuerberaterin

E-Mail:
cornelia.linde@falk-co.de


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