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BREXIT: Schockstarre für die britische Wirtschaft

Egal wie sich die Brexit-Frage weiterentwickeln wird: Der Schaden für die britische Wirtschaft – und ihre Partner in der EU – hat bereits jetzt erhebliche Ausmaße

Am 15. Januar ist der mit der EU ausgehandelte Brexit- Vertrag im britischen Unterhaus „krachend“ durchgefallen. Niemand kann vorhersagen, wie es weitergeht. Einen Verlierer gibt es aber jetzt schon: die britische Wirtschaft.

Politposse mit ungewissem Ausgang

Von No-Deal-Brexit über Nachverhandlungen, zeitliche Verschiebungen bis zu No-Brexit: Alles scheint möglich in einer bisher einmaligen politischen Situation, die kurz vor dem „Ablaufdatum“ 29. März keine Lösung hat – ein wahrhaft unverantwortlicher Zustand. Man könnte sich zurücklehnen und entspannt den Fortgang der Politposse beobachten,

wenn damit nicht erhebliche Auswirkungen, insbesondere wirtschaftlicher Natur, verbunden wären. Angesichts der Dynamik der Prozesse erscheint eine Beschreibung der politischen Situation ebenso zwecklos wie unmöglich, da sie stets innerhalb kürzester Zeit überholt ist. Dagegen sind die wirtschaftlichen Folgewirkungen bereits heute eingetreten bzw. absehbar.

Wirtschaftlicher Ausnahmezustand in Großbritannien

Die britische Notenbank sieht bereits jetzt enorme Negativtendenzen.

Im Falle eines No-Deal-Brexits geht sie von einer schweren Rezessionaus. Die britische Handelskammer sieht die Wirtschaft in Schockstarre, ihr zufolge werden wichtige Zukunftsentscheidungen, insbesondere Investitionen, bereits heute in erheblichem Maße verschoben. Die Unternehmen in Großbritannien legen erhebliche Vorräte mit entsprechenden Kapazitäts- und Kostenfolgen an, da sie Lieferverzögerungen befürchten. Die auch für Großbritannien wichtige, wenn auch in ausländischer Hand befindliche Automobilindustrie meldet Zulassungsrückgänge für Pkws von 6,8 % und Produktionsrückgänge von 8,2 %.

Die Gesundheitsbehörden sind aufgerufen, Medikamentenvorräte für einen sechswöchigen Zeitraum anzulegen; die britische Regierung gilt deshalb als derzeit größter Abnehmer für Kühlschränke. An den Grenzen, insbesondere in Dover, werden Lkw-Manöver durchgeführt, um die Auswirkungen von verzögerten Abfertigungen an den Grenzen zu testen. Allein in Dover sind täglich mehr als 10.000 Lkws abzufertigen. Nach einem No-Deal-Brexit wäre Großbritannien nicht mehr Teil der Zollunion und folglich müssten sämtliche Ein- und

Ausfuhren zollrechtlich erfasst werden. Es ist bekannt, dass die Zollverwaltungen beiderseits der Grenzen nicht ausreichend Mitarbeiter haben, um geänderte Abfertigungsprozesse in geordneter Weise durchzuführen. Nach einer aktuellen Pressemitteilung würde aber eine Verzögerung von nur zwei Minuten je Lkw in Dover bereits einen Stau von 27 km Länge auslösen. Die Angst vor einem „Logistik-Chaos“ ist durchaus begründet.

Auch im Finanzsektor sind bereits negative Entwicklungen im Gange. Unabhängig davon, wie der Brexit-Prozess sich weiterentwickelt, kehren viele Banken der Insel vorsorglich den Rücken. Angeblich sind bereits rd. 900 Mrd. EUR an Vermögenswerten allein nach Deutschland transferiert worden.

„Mir fehlen die Worte, um die Frustration, die Ungeduld und den wachsenden Ärger unter Unternehmern zu beschreiben“, wird der Geschäftsführer der britischen Handelskammer zitiert.

Belastungen für den EU-Raum

Das Handelsvolumen zwischen Großbritannien und den übrigen EU-Staaten beträgt nahezu eine halbe Billion EUR. Es ist vollkommen klar, dass sich aus den Belastungen der britischen Wirtschaft vielfältige negative Auswirkungen für den gesamten EU-Raum ergeben.

Allein deutsche Investoren sind mit rd. 120 Mrd. EUR in Großbritannien investiert. Unter Einrechnung eines geregelten Brexits geht die deutsche Wirtschaft derzeit von einem eher schwachen Wachstum von nur 1,5 % in 2019 aus; ein ungeregelter Brexit würde die Erwartungen unter die 1 %-Marke drücken.


Die Bedeutung von sicheren Rahmenbedingungen

Diese Entwicklungen zeigen die große Bedeutung von staatlichen Rahmenbedingungen und von politischer Sicherheit als Basis für eine gesunde wirtschaftliche Entwicklung. Zwar muss jedes Unternehmen für sich alleine möglichst erfolgreich wirtschaften, aber politische Unsicherheit und ungenügende Rahmenbedingungen sind Gift für jede Volkswirtschaft.

FALK FORUM zum Brexit

Wir werden zu dem spannenden und facettenreichen Thema Brexit im kommenden April eine Veranstaltung durchführen, zu der wir schon jetzt sehr gerne einladen ( s. a. „Save the Date“).

Ihr Ansprechpartner

Klaus Heininger

E-Mail: Klaus.Heininger@falk-co.de

Tel: +49 69 962 204 0


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